Übergänge.

von Ignatius Löckemann

Übergänge – von hier nach dort. Studierende beginnen das Studium im Coronazeitalter und merken den Übergang fast nicht: Digitalität daheim. Schulabgängerinnen und Hochschulabsolventen, Ausbildungsbeender und Gesellinnen werden einfach fertig: Zeugnis per Post. Es sind schwierige Zeiten, in denen Übergänge einfach geschehen und wenig gefeiert oder begangen werden können. Das tut auch weh. Und auch das: Menschen waren schwer krank, starben und wurden beerdigt und kaum jemand konnte dabei sein. Langsam wird es einfacher, diese Übergänge mitzugehen und dabei zu bleiben.

In der Kirche sind wir auch im Übergang: Nach den vielen Festen der Osterzeit ist jetzt Alltag dran. In der Liturgie sprechen wir vom Jahreskreis und die Farbe dazu ist jetzt grün. Den Übergang in den Alltag erleben auch die Freunde Jesu. Das Evangelium dieses Sonntags erzählt davon (vgl. Mt Kapitel 9,36-10,8). Auf einmal werden sie umbenannt. Gerade heißen die zwölf noch „Jünger“, dann nennt Jesus sie „Apostel“. Sie bekommen einen Auftrag: Los, schwirrt aus. Erzählt den Leuten von Gottes Nähe. Tut, was ihr könnt (Mt Kapitel 10, 7-8). Das ist wie der Übergang von der Ausbildung zur Anwendung: Jetzt seid ihr dran.

Auch die Kirche steht am Übergang. Die Erfahrungen der Coronazeit machen manches deutlicher, was sich schon abgezeichnet hatte. Vieles gibt es vielerorts eigentlich schon nicht mehr, wenn wir ehrlich sind. „Hüllen“ bestehen fort, Strukturen, Traditionen. Neues ist oft noch nicht da, muss noch geschaffen werden. Und Altes kann dabei meist nicht mehr als Vorlage dienen. Das ist nicht leicht. Von der Lust zum Aufbruch bis zur Angst vor Veränderungen reichen die Gefühle.

Übergänge sind wichtig, sind nicht bloß schlimm. Hier geht es um Wandel und um Veränderung. Klar, es ist nicht einfach und es kostet Kraft. Doch nur so kann gelernt werden. Neue Erfahrungen bedeuten auch neue Chancen. Das Leben ist Veränderung – auch das Leben der Kirche. Unser Glaube lädt dazu ein. Es geht um neues Leben – um neue Formen, Zugänge und Sichtweisen. Jesus lädt ein zum Experiment, zum Ausprobieren.

Für Kinder ist das fantastisch: Spielen und Ausprobieren, neues entdecken und schauen, wie es wird, Gott. Wenn wir uns da zu schwer tun, dann stups uns an und mach uns Mut. Sonst geht alles nur so weiter. Und wo einige übermütig werden öffne ihnen ein sicheres Labor. Amen.