Nachhaltig.

von Ignatius Löckemann

Sonntag nach Pfingsten, Dreifaltigkeitsfest oder Trinitatis. Im Bistum Mainz und anderswo Jugendsonntag. Eine alte Tradition: Bekenntnissonntag. Als das 20. Jahrhundert begann, forderten junge Leute in der Kirche mehr Raum und mehr Aufmerksamkeit. Die katholische Jugend entstand. Heute fordern Jugendliche und junge Erwachsene unsere Aufmerksamkeit; sie wollen anders leben, nachhaltiger, bewusster. Sie sind sehr engagiert. Die einen sind überrascht und stolz auf sie. Die anderen sind genervt, sogar aggressiv und machen sich lustig. Ich bin beeindruckt, war selbst auch mal dabei: Fridays for Future. Die Zukunft geht uns alle an. Nachhaltigkeit, Bio und Fair sind zum Teil guter Alltag geworden.

Das bedeutet für mich neben Umwelt und Ökologie auch Teilhabe und Anerkennung, Wert und Würde des Menschen. Nicht erst der tragische Tod von George Floyd in den USA macht uns strukturelle Ungerechtigkeiten deutlich. Auch in der Kirche, auch in der deutschen Gesellschaft haben wir noch viele Möglichkeiten am nachhaltigen und fairen (Zusammen)Leben zu arbeiten.

Was hat das mit Dreifaltigkeit zu tun? Vater, Sohn und Heiliger Geist – drei sind eins. Puh… Schwer zu erklären (falls überhaupt möglich). Im Gottesdienst lesen wir ein kleines Stück aus dem Johannesevangelium an diesem Sonntag (Joh 3, 16-18). Da ist vom Geben die Rede und von der Liebe: Der Vater gibt den Sohn aus Liebe. In Jesus tritt Gott an unsere Seite. In der Liebe bleibt Gottes Geist bei uns. Das ist göttliche Nachhaltigkeit. Gott ist im  Menschen gegenwärtig – in jedem Menschen. Und wo wir echt und ehrlich lieben, da sind wir Jesus auf der Spur. Das ist unsere Verantwortung. Und darin können wir uns als Christen mit ganz vielen anderen Menschen verbinden, ob religiös oder nicht – solange sie nur bereit sind, zu lieben und zu achten. Den Menschen und die Welt. Weil Gott die Welt liebt und die Menschen. Weil Jesus uns das klar macht. Also ist eine gute Nachhaltigkeit ein gut-christliches Lebensprogramm.

Wo wir Menschen nicht menschlich miteinander umgehen, wo wir die Erde mit Füßen treten, da wäre ‚ein Schlag auf die Finger‘ manchmal gar nicht schlecht Gott (zumindest im übertragenen Sinn). Und wo Mensch und Umwelt uns brauchen, da lass uns die Hände öffnen. Amen.