Auf die Ohren.

von Ignatius Löckemann

Es ist der Monat, in dem ich mal wieder älter werde. Und diesmal rund. Nun gut. Das Leben ist so und ich bin dankbar. Beim Älterwerden wird auch manches weniger – ich höre nicht mehr so gut. Manchmal schnappe ich mir die Kopfhörer, wenn ich einen Film im Fernsehen anschaue. Dann klingt es etwas besser und ich entspanne wieder. Denn ein Aufmerksames Hinhören ist ganz schön anstrengend.

Für viele ist der Sommer Urlaubszeit. Aufatmen und Ausruhen. Tapetenwechsel und anderes Leben – hier vor Ort oder anderswo (in diesem Jahr etwas schwieriger). Mehr Zeit haben und mir Zeit nehmen. Oft ist unser Alltag voll von vielem. Arbeit, Verantwortung, Sorgen – das kostet Aufmerksamkeit. Urlaub oder Ferien bieten da Alternativen: Sehen, hören, fühlen, schmecken; Berge und Meer, Flüsse und Täler, Grillenzirpen und Vogelgezwitscher, Kinderlachen und ein leises „Ich liebe dich“; feiner Strandsand und weiches Almgras, Füße im Bach und Hände in der Gartenerde; Spreewald-Gurken, Nordseekrabben, Weißwurst mit Senf und Pizza. Neu und anders wahrnehmen. Herrlich!

Im Sonntagsgottesdienst (15. Sonntag/A) geht es um das Hören. Das Wort will gehört werden. Gott spricht. Kann ich ihn hören? Verstehe ich, worum es geht? Kommt es bei mir an? Wer Ohren hat, der höre (Mt Kapitel 13, 9). Das klingt einleuchtend und einfach. Jesus erzählt aber auch, wie schwierig das sein kann.

Also wünsche ich mir eine hörende Kirche. Denn ich will hören und entdecken, wie Jesus. Vertrauen haben möchte ich gegen alle Angst. Ich will Begegnungen suchen und Beziehungen gestalten. Mit Achtung, Respekt und Wertschätzung will ich leben. Ich will einbeziehen und nicht ausgrenzen, etwas zusagen und nicht absprechen. Und ich will da nicht allein sein. Es soll Kreise ziehen. Hören hat doch mit Offensein zu tun – Gehorchen macht eher blind und spricht Verantwortung ab.

Vielleicht braucht es auch in der Kirche hier und da „Kopfhörer“, Unterstützung im Hören, etwas auf die Ohren – oder den Impuls: Auf, die Ohren! Was ein Komma manchmal ausmacht…

Im Urlaubsferiensommer geht es irgendwie leichter, das eine oder andere an die Seite zu schieben, Gott. Mach unseren Blick klar und unsere Ohren offen. Mal sehen und mal hören, was dann geschieht. Bei Gehörgangverstopfung hilft eine Spülung – selig, die am Wasser Urlaub machen können. Amen.