Abstand.

von Ignatius Löckemann

Ich hab dir doch klipp-und-klar gesagt, dass das so nicht geht…?! Bäm! Da stehe ich wieder, ein kleiner Junge, ertappt und ermahnt. Rot ist mein Kopf und mir ist ganz heiß und eng ums Herz. Puh… Kein schönes Gefühl. Aber, wer kennt das nicht. Und immer mal wieder taucht dieses alte Gefühl auch heute manchmal auf…

Ich musste ein bisschen daran denken, als am Montag ein neues Papier aus dem Vatikan veröffentlich wurde (über die Zukunft der Pfarreien). Diese Art von Papier heißt Instruktion. Es ist eine Unterweisung. Es hat was von einem erhobenen Zeigefinger: Ich hab dir doch klipp-und-klar gesagt…?! Das hat Aufruhr gegeben in der deutschen Kirche. (Anderswo auch? Keine Ahnung.) Ob so ein Papier hilfreich ist? Eine Unterweisung, die nach Zurechtweisung klingt, ist kein gutes Instrument für das Miteinander.

Die Einladung zu einem Dialog hilft viel mehr. Ein weltweit gültiges Dokument ist sehr weit weg von den Menschen vor Ort. Da steckt viel Abstand drin, sehr viel Abstand. Dabei wäre Nähe viel wichtiger: Wie sieht es denn bei euch in den Pfarreien in Deutschland eigentlich aus? Wir hören, dass ihr schon länger neue Strukturen plant und versucht. Habt ihr schon gehört, was die französischen Nachbarn da gemacht haben? – Und schon klingt alle ganz anders. Das hat etwas von Augenhöhe. Das atmet Respekt und Vertrauen.

An diesem Sonntag (17. Sonntag/A) hören wir in den Gottesdiensten wieder, wie Jesus Beispielgeschichten erzählt (Gleichnisse). Mit dem Himmelreich ist es wie, wenn etwas wächst und wirkt. Und es ist wie mit Menschen, auf die es Auswirkungen hat. Die tun sich dann zusammen. Solche Menschen versuchen Jesus zu verstehen. Sie fragen sich, was seine Worte heute bedeuten können. Jede*r hat eigene Talente und Möglichkeiten zu bieten. Mit dem Himmelreich ist es wie mit einer bunten, bereichernden Gemeinschaft: Da sind Hauptamtliche, Ehrenamtliche, Gremien und Gruppen, Einzelne und Familien. Da sind Menschen willkommen. Da gibt es auch andere Formen von Kirche, die neu sind: Frische Experimente. Das alles ist in Deutschland anders als in Frankreich, anders als in Südindien, Kalifornien, Nigeria oder in Spitzbergen. Und alle sind genau deswegen Kirche. Wie schön!

Ich möchte mich nicht wie ein kleines Kind fühlen, Gott. Es sei denn als dein Kind – du meinst es ja gut. Ich möchte ernstgenommen werden. Und ich möchte andere ernst nehmen. Das ist nicht immer leicht. Gib uns doch bitte Kraft dazu. Und ein Herz. Amen.