Rücksicht.

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von Ignatius Löckemann

Anfang des Monats war ich in Dresden – das letzte Mal war ich wohl Mitte der 90er Jahre dort… Welch eine Veränderung. Ich habe dort den katholischen Bischof getroffen. Gemeinsam haben wir geredet über unsere Engagements bei den Maltesern. Das war sehr eindrücklich. Wir spazierten an der Elbe entlang in unseren Gedankengängen. Ich stockte plötzlich: …das muss ich fotografieren, Entschuldigung (schließlich sprachen wir gerade auch über social media…): Rücksicht macht Wege breit – so war es von der Stadt auf den Weg gesprüht.

Es ist Herbst. Und wie vorausgesehen steigen die COVID-19-Zahlen wieder an, zum Teil dramatisch in den Ländern um uns herum. Auch bei uns. Ängste machen sich wieder breit, die Regeln werden verschärft, Risikogebiete werden erklärt, der Widerstand wächst – die Verunsicherungen auch. Worauf läuft das hinaus? Was kann ich tun? Wie gehe ich mit meinen Gefühlen um? Wem kann ich trauen, was glauben?

Rücksicht macht Wege breit – diese Dresdner Botschaft vor meinen Füßen geht mir nicht aus dem Sinn: Rücksichtsvolles Handeln und Leben weitet die Enge der Angst. Wenn wir alle zusammen in der Haltung der Rücksicht sind, dann kann es besser werden. Wir brauchen Weite, nicht Enge; Zuwendung, nicht Verhärtung; Vertrauen, nicht Missmut. Ich weiß, einfach ist das nicht…

Am Sonntag (18.10.2020/29. Sonntag/A) werden wir in den Gottesdiensten hören …gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört (Mt 22, 21b). Ein Satz, der es in sich hat, der auch missbraucht werden kann (und wurde). In die Münze ist das Bild des Kaisers eingeprägt. Und in uns? Aus christlicher Sicht trägt jeder Mensch das Bild Gottes in sich (Gen 1, 27). Das sollte es mit der Rücksicht doch nicht so schwer sein, oder? Also einfach Maske tragen, wo das Tragen erforderlich ist – ohne Diskussion. Aus Rücksicht auf andere. Jede*r ist es wert gesehen und geachtet zu werden. Manche brauchen mehr Rücksicht, mehr Vorsicht als andere. Abstandhalten muss nicht zwangsläufig heißen auf Distanz zu gehen (auch wenn manche Nähe und fehlt…). Wenn gilt: Rücksicht macht Wege breit – dann wird so Platz geschaffen, damit alle sicher leben können.

Wenn ich immer nur nach vorne strebe, dann ist das mit der Rücksicht schwer. Anhalten, mich umdrehen und die anderen in den Blick nehmen – damit beginnt es, Gott. Ob du das eine oder andere in uns mal bremsen kannst, damit dies geschehen kann? Das wäre vielleicht hilfreich. Danke für rücksichtsvolle Menschen – wie wohl sie tun! Amen.