Im Garten.

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von Ignatius Löckemann

…der Garten – den Deutschen an sich ein lieber Ort. Es ist ein umfriedeter Bereich, der ursprünglich das mit (verflochtenen) Gerten umzäunte Gelände bedeutet und von da seinen Namen hat. Hier wird gepflanzt, gehegt und gepflegt. Hier ist man gern, hier kommt man zusammen, hier wird das Leben als schön erlebt.

Und so ist es kein Wunder, dass auch in der Welt der Bibel, der Garten eine wichtige Rolle spielt. Gärten waren eine wichtige Lebensgrundlage der Menschen damals. Sie wurden zum Bild eines glücklichen und zufriedenen Lebens. Blühende Gärten sind Zeichen für Frieden, Heil und Wohlergehen. Ist der Garten vertrocknet, verwüstet oder mit Dornen überwuchert, wird er zum Bild von Unheil, Strafe oder Tod. Das Wiederanlegen von Gärten ist dann Beginn des neuen Heils; es zeigt, dass Neuanfang möglich ist. Der Garten ist Treffpunkt der Liebenden – oder gar Bild für die Schönheit der Geliebten an sich oder Bild für das geliebte Volk.

Und so erstaunt es nicht, dass Gott selbst als Gartenbesitzer erscheint, als Hüter seiner Pflanzung. Das Urbild des Gottesgartens ist in der orientalischen Welt der Libanon mit seinen Zedern und Zypressen (von denen heute leider kaum mehr etwas erhalten ist). Dann pflanzte Gott, der HERR, in Eden, im Osten, einen Garten und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte (Gen 2,8) – so schildert es der zweite Schöpfungsbericht.

Auch in der Dynamik dieser Tage spielt der Garten eine wichtige Rolle. Wir haben es am Gründonnerstag gefeiert und bedacht, wie Jesus mit den Seinen nach dem Abendmahl hinausging auf den Ölberg jenseits des Baches Kidron – in den Garten Getsemani. Ein Ort, der Jesus und den Freund:innen sicher vertraut und lieb war – außerhalb der Stadtmauern. Hier nun Ort des Wachens und des Betens. Und der Ort von Verrat und Verhaftung. Aus dem Gottesgarten der Genesis, dem bergenden Lebensraum wird nun der Ort der Zuspitzung und des drohenden Todes.

Dann pflanzte Gott, der HERR, in Eden, im Osten, einen Garten und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte (Gen 2,8) – es ist ein Ideal-Bild des Lebens und der Harmonie. Bilder tauchen auf in unseren Köpfen von blühender Vielfalt und Üppigkeit, von friedlich-respektvollem Miteinander von Menschen, Tieren und Pflanzen (was es eigentlich so nicht gibt). Paradiesisch nennen wir dies und nennen auch besondere Gärten oder Naturbereiche so, wenn wir sie irgendwo sehen oder erleben.

In einem solchen Garten lag das Grab, in das Jesus gelegt worden war. Das ist die Ausgangsszene im Evangelium des Johannes; im 20. Kapitel schildert es gleichzeitig zwei Erzählstränge, von Maria von Magdala und darin den Wettlauf von Petrus und Johannes. Der Garten also als österlicher Ort; das Grab des einsamen Todes im vielfältigen Garten des Lebens. Hier nun wird Maria von Magdala die Erstzeugin des Auferstandenen – Apostelin der Apostel, wie wir sie nun wieder offiziell nennen. So sehr ist sie in der Welt des Gartens vertieft, dass sie in ihrer Trauer und ihrer Verzweiflung Jesus gar für den zuständigen Gärtner hält… Als er sie jedoch anspricht, ihren Namen nennt – so wie er es unzählige Male getan hat – da erkennt sie ihn, ihren Lehrer, den Rabbuni.

Eine Vielzahl von Ereignissen in unseren Tagen hat Menschen enttäuscht und verletzt – das Nein zum Segen für Queere-Partnerschaften, das Kölner Missbrauchsgutachten und der Umgang damit. Nicht, weil darin etwas komplett neu war; eher, weil es immer noch so ist und nochmals betont wird. Es werden auch noch mehr Gutachten folgen – es sind längst nicht alle soweit. Dazu unsere Kölner KHG, die einiges an Gegenwind erfuhr mit ihrem Positionspapier. Dazu die vielen Fragen des Synodalen Weges nach dem Miteinander in der Kirche, dem Respekt auf Augenhöhe für alle und m.E. der Sicht auf ‚Amt und Würde‘ als Dienst-Amt und nicht als Machtposition – das ging schon bei den ersten Jüngern schief. Dieser Synodale Weg macht uns einerseits Mut, manche aber frustriert er auch aktuell und wirft die Frage auf, was wird am Ende des Prozesses sein? Da werden Entscheidungen fällig – hier und in Rom…

Dann pflanzte Gott, der HERR, in Eden, im Osten, einen Garten und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte (Gen 2,8) – und dieser Garten-Ort wird zum Ort der österlichen Hoffnungsbotschaft: Geh und sag ihnen, was du hier erlebt und erfahren hat; geh und sag ihnen, dass das Leben lebt und der Tod das Nachsehen hat; geh und sag ihnen, dass ich lebe – immer leben werde, bei euch und mit euch (vgl. Joh 20,17-18).

Wir brauchen diese Männer und Frauen, Kinder und Jugendlichen – Menschen, die hingehen und sagen: Ich habe den Herrn gesehen (Joh 20,18). Menschen, die mit gläubigem Blick, die Welt der Kirche als paradiesischen Gottesgarten sehen mögen: Lebendig, vielfältig, unterschiedliche, artenreich, bunt; ein Garten in dem es nicht um ein Entweder-oder geht, sondern um das Sowohl-als-auch, das christliche Grundprinzip in der Nachfolge Jesu: Versöhnte Unterschiedlichkeit, befreundete Fremdheit, angstfreies Anders. Eben ein Vertrauen darauf, dass ich von ihm angesprochen bin mit meinem Namen – wie Maria von Magdala, wie all die anderen vor uns und auch die neben uns und über uns hinaus.

Gott, pflanze auch in unserer Zeit neues Leben in deinem Garten – er ist etwas eintönig geworden, die Beete zu sehr abgegrenzt voneinander; Monokulturen tun auch hier nicht gut. Lass es sprossen und blühen, lass Hummeln, Bienen und schillernde Schmetterlinge fliegen und flattern – und setze dorthin den Menschen, den er geformt hast… (vgl. Gen 2,8).

aus der Predigt der Feier der Auferstehung, 04.04.2021