Ausschau halten.

von Ignatius Löckemann

Sie lebte mit ihrem Mann in einer kleinen Stadt. Und dieser Mann kam immer wieder dort vorbei. Sie erkannte ihn wieder und so luden ihn zum Essen ein. Sie beschlossen, ihm ein Zimmer anzubieten. Ein Raum war frei. Sie richteten ihn hübsch her. Und so hatte er einen Rückzugsort für sich in der Stadt. Eine kleine Szene aus dem Alten Testament der Bibel. Ich muss gestehen, ich kannte sie nicht. Sie steht im zweiten Buch der Könige (vgl. 2 Kön 4, 8ff.) und hat mich tatsächlich beeindruckt (erste Lesung/13. Sonntag/A).

Eine Frau und ihr Mann, beide namenlos, sind wie ein Beispiel von Aufmerksamkeit und Bereitschaft. Und der, um den es geht, das ist der Prophet Elischa, Nachfolger des Propheten Elija, bei dem er in die Schule ging. Das Zauberhafte für mich: Die Frau hält Ausschau, ist interessiert und erkennt Elischa, erkennt ihn wieder. Sie öffnet ihm mit ihrem Mann das Haus, lässt ihn in ihr Leben – aber mit Respekt und Achtsamkeit. Es heißt, als er sie einmal zu sich ruft, sie blieb in der Tür stehen (2Kön 4, 15). Beziehung ist hier entstanden zwischen ihnen und Elischa; doch es gibt auch Grenzen. Der Rückzugsort ist wichtig und diesen respektiert sie. Grenzen sind in Beziehungen oft nicht starr, sie leben und bewegen sich mit dem gegenseitigen Vertrauen.

Hier wird Elischa, ein Gottesmann zum Gast bei einem Ehepaar. Und diese beiden haben nach ihm Ausschau gehalten. Sie schenken Raum zum Leben. Und er schenkt ihnen dann die glückliche Aussicht neues Leben zu empfangen – sie waren bisher kinderlos und traurig deswegen.

Ausschau halten ist eine schöne Einstellung und kann mit Sehnsucht zu tun haben. Nach dem Leben Ausschau halten, nach Möglichkeiten. Grenzen dabei im Blick behalten. Vertrauen wagen mit allem gebotenen Respekt. Räume öffnen und gestalten für gutes Leben, für Begegnung und Rückzug. Offen sein für Zukünftiges und Neues. Das Ganze gemeinsam und auf Augenhöhe. Es wagen als „Gottesmensch“ dann „nur“ Gast zu sein, bzw. sein zu dürfen. Sind das nicht wunderbare Stichworte für das Kirchesein heute und morgen…?

Einen weiten Blick brauchen wir, Gott. Nur so können wir die Zeichen der Zeit erkennen. Mut braucht es, Räume zu ermöglichen für dieses und jenes. Begegnung mit Respekt will gelernt sein. Porzellan-Laden-Dickhäuter besänftige bitte vorher, sonst geht es schief. Amen.